Von Bienen, Rapsblüten und hungrigen Käfern

Lovestory im Blütenmeer

„Gelbgelbgelb sind alle meine Kleider. Gelbgelbgelb ist alles, was ich hab. Darum lieb ich, alles was so gelb ist…“ Diese Strophe gibt es in dem bekannten Volkslied aus dem 19. Jahrhundert zwar nicht, doch stellt sie eine Gemeinsamkeit von Landwirten, Bienen und einer beliebten Ölpflanze dar.

Foto: LBV 

 

Die saisonale Beziehung zwischen Rapsblüte und Honigbiene ist für beide Seiten sehr nützlich: Die Biene sammelt Pollen für ihre Nachkommen, und Rapspflanzen bilden etwa 30 % mehr Körner, als ohne die summenden Bestäubungsdienstleister. Eine Win-win-Strategie, die auch Landwirtinnen und Landwirte sehr begrüßen. Doch es gibt auch einige Nebenbuhler, die dieser Tage ein Auge auf Brassica napus, wie der Raps in wissenschaftlicher Bezeichnung heißt, werfen.

Konkurrenz um Rapsblüten

Rapsglanzkäfer und Kohltriebrüssler sind ebenso entzückt vom leuchtenden Gelb sich öffnender Blüten im April. Ganz zum Leidwesen der blühenden Ölpflanze, denn die beiden Rapsschädlinge haben es auf ihre Knospen abgesehen. Werden diese von den Fluginsekten verspeist, war es das mit der üppigen Blütenpracht. Dann haben nicht nur Bienen weniger Pollen für ihr Volk, auch die Landwirtschaft hat das Nachsehen: Überall dort, wo keine Blüte ist, kann auch keine Schote mehr wachsen. Darin werden die Rapskörner ansonsten in Reih und Glied gebildet, um Rapsöl und Nebenprodukte für die Tierernährung zu liefern. Der Schaden durch Rapsschädlinge kann ja nach Klima und Insektenflug einen Verlust der halben Ernte bedeuten.

 

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Sicherer Ertrag, sichere Zukunft

So dramatisch, wie eben geschildert, muss es nicht in jedem Jahr laufen. In den letzten Frühjahren hielt sich der Schaden oft in Grenzen. Doch wenn die Käfer gut über den Winter gekommen sind, bleibt vielen Landwirten nichts anderes übrig: Sie müssen ihren Raps vor den Schädlingen schützen. Hierfür sind Pflanzenschutzmittel im Einsatz, genauer gesagt: Insektizide. Sie bekämpfen gezielt u. A. Rapsglanzkäfer und sind bei Einsatz bienenungefährlicher Mittel unschädlich für die schwarz-gelben Pollensammler. So sichern Landwirte Ertrag ab, und Bienen finden mehr Futter.

Nachtaktive Bauern

Wer also im April und Mai Traktoren mit Pflanzenschutzspritzen durch die blühenden Rapsfelder fahren sieht, weiß, wer den Schadinsekten zu Leibe rückt. Doch nicht zu vorschnell: Mit sogenannten Gelbfallen beobachten Landwirtinnen und Landwirte das Auftreten der Rapsschädlinge genau – und reagieren erst bei Erreichen eines Schwellenwertes. Die Insektizide, also spezielle Pflanzenschutzmittel, die dabei zum Einsatz kommen, werden nach guter fachlicher Praxis mit mehreren hundert Litern Wasser zur besseren Benetzung der Blüten verdünnt. Trotzdem gehen viele Landwirte noch einen Schritt weiter und „spritzen“ ihren Raps nachts. Doch nicht etwa, um im Schutz der Dunkelheit unerlaubte Insektizide zu versprühen. Der Grund: Bienen sind tagaktiv. So übernehmen viele Bauern gern die Nachtschicht, um sie nicht bei ihrer Arbeit zu stören. Am nächsten Morgen heißt es dann wieder: Schichtwechsel auf dem Rapsfeld.

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