Fachgespräch Milch des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.
Wie lang wird die Durststrecke?
Erzeugerpreise unter 40 Cent je Kilo Milch könnten 2026 auf Landwirtinnen und Landwirte zukommen, erwartet Martin Boschet, Chef der Hohenloher Molkerei, beim Gaildorfer Fachgespräch Milch unseres Bauernverbands am 8.1. vor 100 Milchbauern.
Foto: Johannes Nothacker aus Kupfer stellt eine der vielen Publikumsfragen beim Gaildorf Fachgespräch Milch 2026. (c) David Benzin/Bauernverband
Als diese Worte auf die gespitzten Ohren der 100 Milcherzeuger und Milcherzeugerinnen in der Limpurg-Halle treffen, stehen einige Münder offen: „Preise unterhalb der 40 Cent-Marke werden auf uns zukommen,“ erwartet Martin Boschet, geschäftsführender Vorstand der Hohenloher Molkereigenossenschaft. Diese Zahl, die für Milchviehbetriebe oft über die Zukunft entscheidet, bringt der Molkereichef nicht leicht über die Lippen. Doch die jüngsten Entwicklungen auf dem Milchmarkt und niedrige Preise für wichtige Milchprodukte speisen seine Erwartungshaltung. Die aktuellen Liefervereinbarungen der Hohenloher Molkerei mit dem Lebensmitteleinzelhandel seien zwar für die nächsten Monate gesichert. Doch was danach kommen mag und wann sich die Situation entspannen könnte, ist und bleibt ungewiss.

Foto: Wie tickt der Verbraucher, wie tickt der LEH? Das Interesse beim Fahcgespräch Milch 2026 war groß. (c) David Benzin/Bauernverband
Massig Milch drückt auf die Märkte
Martin Boschet unterfüttert die Prognose mit Zahlen, die unterm Strich sagen: Die Milchmenge ist viel höher, als in den Vorjahren. Das Milchaufkommen ist in wichtigen Milcherzeugerländern fast aller Erdteile gestiegen, besonders in Osteuropa und Südamerika. Doch auch Nordamerika erzeugte über 2 % mehr Milch (Jan.-Sept. ‘25 ggü. Vorjahreszeitraum). Was sich als Zahl nach nur wenig Zuwachs anhört, ist in der Realität eine riesige Menge Milch. Um das zu verdeutlichen: Ende 2025 standen Ställen der USA so viele Milchkühe wie zuletzt 1993. Die Butterexporte der USA und der Ukraine stiegen im betrachteten Zeitraum um mehr als 160 %.
Das weltweite Marktgeschehen für Milch ist vielschichtig. Doch unterm Strich wurde 2025 deutlich mehr Milch produziert, als in den Vorjahrszeiträumen. Das führte zu einem Angebotsüberschuss auf dem Markt und drückt auf den Milchpreis, auch in der EU: Dänemark produzierte im vorgenannten Zeitraum 11 % mehr Butter, Schweden 22 % mehr und Spanien sogar 37 % mehr. Lediglich in vier EU-Ländern sank währenddessen die Butterproduktion.
Breites Angebot und Regionalmarken
Wie der Lebensmitteleinzelhandel mit dem Überangebot an Milch umging, ist hinlänglich bekannt: Butter wurde im Discountbereich auf 0,99 Euro reduziert. Zum Kaufverhalten der Kunden sagt Edeka-Südwest-Vorstand Jürgen Mäder: „Der Verbraucher kauft das Produkt wieder, das ihn im Geschmack überzeugt.“ Es gebe neben Käufern von Regional- und Premiummarken auch „preissensible“ Kunden, wie es im Kaufmannsjargon heißt. Die Edeka-Südwest setzt in ihren 1.100 eigenständigen Märkten auf ein breites Angebot mit etwa 30.000 Artikeln je Markt. Ein Discountmarkt biete lediglich etwa 4.000 Artikel an, sagt Mäder. Dass die Edeka den Kunden genau auf den Kassenbon schaut und sein Angebot an deren Vorlieben anpasst, wird während Mäders Vortrag ebenfalls deutlich. Gerade deshalb leiste man sich in Edeka-Märkten bewusst kostenaufwändige Bedientheken für Milch- und Fleischprodukte.
Bauernverband lobt Dialog der Marktpartner
Dass die letzten Monate für Milcherzeuger nervenaufreibend waren, treibt auch unserem Bauernverband Sorgenfalten auf die Stirn. Dennoch verbreitet sich vorsichtiger Optimismus: „Der direkte Dialog zwischen Erzeugern, Verarbeitern und Handel – genau diesen Austausch, brauchen wir in Zukunft öfter,“ sagt Marcus Nübel, stellvertretender Vorsitzender des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V., zum Abschluss des Abends.