Bio-Oldtimer: Seit 50 Jahren wird auf dem Sternhof - Weikersholz biologisch produziert



Wenn im Frühjahr die Sonne höher kommt, flippen die Puten fast aus. „Morgens, wenn wir die Ställe für den Weidegang aufmachen, gibt es meist einen unheimlichen ‚Run‘ auf die Grünflächen“, weiß Carmen Mack vom ‚Sternhof‘ in Weikersholz.

Ihre Puten, außer die dafür noch zu kleinen Küken, sind gern draußen, wie sie sagt. „Puten sind sehr sensible Tiere, die einen eigenen Kopf haben. Sie sind von Haus aus neugierig und kommen auf uns zu, wenn wir die Stalltür öffnen. Wenn das mal nicht so ist, weiß ich: Da stimmt was nicht. Die Puten verweigern auch gern mal das Futter, wenn es ihnen nicht schmeckt. Da sind wir immer aufmerksam und wechseln eventuell das Futter“, erklärt die Hofinhaberin. Zusammen mit ihrem Mann Michael und weiteren Familienmitgliedern betreibt sie den ehemals elterlichen Hof im Ortsteil von Rot am See. Um das gut im Blick zu haben, teilen sich die Betreiber des Hofes in der Stallbetreuung auf. Nach Möglichkeit, geht nicht jeder in jeden Stall, sondern hat seine feste Tiergruppe. „Dann kennen wir sie viel besser - und sie uns auch. Außerdem minimieren wir so das Verschleppen von Krankheiten“, erklärt Carmen Mack.

 

 

 

 

Was ist bei Bio-Puten anders als bei konventionell produzierten Tieren? „Bio-Tiere haben schon andere Haltungsbedingungen. Sie bekommen natürlich Biofutter und brauchen mindestens zwei bis drei Wochen länger, als konventionell aufgezogene Puten, bis sie das Gewicht zur Schlachtung haben“, erklärt C.Mack. „Wir ziehen nur weibliche Tiere groß, denn die männlichen tun sich mit dem zur Verfügung stehenden Bio-Futter schwerer, ein gutes Gewicht zu bekommen“, sagt sie weiter. Außerdem sind die Putenhennen in ihrer Verhaltensweise ruhiger als die Hähne. Das Bio-Futter der Tiere stammt zu mindestens 50% vom Hof selbst. Es wird hier in einer eigenen Schrotmühle mehrmals wöchentlich frisch geschrotet. Je nach Alter und Energiebedarf wird die Zusammenstellung angepasst. Auf - bis fünf Kilometer rund um den Hof gelegenen – rund 80 Hektar Ackerfläche, wachsen dafür eigener Mais, Ackerbohnen, Erbsen, Triticale, Gerste und Weizen. Die fehlenden Mengen und Getreidesorten, werden zugekauft – natürlich ebenso in Bioqualität. Rund 21 Tausend Puten pro Jahr werden in kleinen Gruppen von 1200 bis maximal 2500 Tieren, in zwei Aufzuchtställen und vier Mastställen großgezogen. Die Stallgröße begrenzt die Stückzahl der Tiere, denn auf einem Quadratmeter leben statistisch zwei Hennen mit zusammen maximal 21 Kilogramm Lebendgewicht. Die Tiere auf dem ‚Sternhof‘ sind ab der achten Lebenswoche gern und viel auf der Weide. Sie haben speziell beleuchtete, belüftete und auch über den Fußboden beheizte Ställe für die Aufzucht der Küken. Das ersetzt, gerade bei den Jungtieren, die nötige Wärme eines Muttertieres. Die Ställe, in welche die Puten nach den ersten 6 Lebenswochen ‚umgestallt‘ werden, unterscheiden sich übrigens bis auf die Auslauföffnungen zur Wiese und den Wintergarten, kaum von denen in der konventionellen Haltung.          

 

 

 

„Wann fangt Ihr eigentlich mit dem Schlachten an?“ Diese Frage eines Anwohners aus Rot am See-Brettheim, wo die neue eigene Sternhof-Schlachterei steht, ist ein dickes Lob. Ganz offensichtlich kann man seit dem Start der Schlachtung vor rund einem Jahr kaum etwas hören oder riechen. Das neu gebaute Schlachthaus ermöglicht dem Putenhof der Familie Mack eine Direktvermarktung mit einer geschlossenen Wertschöpfungskette. Zum einen sind sie so unabhängiger von schwankenden Abnahmen bei großen Vermarktungsfirmen und zum anderen können sie ihrem Wunsch, alle Tiere, die von ihnen aufgezogen wurden, auch selbst zu schlachten und zu verkaufen, gerecht werden. „Es macht uns Freude, unsere Tiere von Anfang bis Ende auf diesem Weg zu begleiten und zu sehen, was wir geleistet haben“, betont Carmen Mack. Die eigene Schlachtung ist ein gewerblicher Betriebszweig des ‚Sternhof‘ und beliefert hauptsächlich inhabergeführte Biogeschäfte von Schwäbisch Hall, über Aalen, Heidenheim bis Öhringen und Bietigheim. Sie haben sich damit als regionaler Lieferant für Kunden positioniert, die die Qualität des frischen Putenfleisches kennen und schätzen. Eine zusätzliche und sogenannte ‚Lohnschlachtung‘ vom Fremdgeflügel ist mit dem neuen Schlachthaus möglich geworden. Im alten Schlachthaus, welches direkt auf dem landwirtschaftlichen Betrieb gelegen war, konnte das aus Hygiene- und Platzgründen nicht durchgeführt werden.

 

 

 

Erfolgreiche Direktvermarktung ab Hof - Kunden vor Ort informieren. Ein Teil des erzeugten Sternhof-Putenfleisches gehen an zwei festen Öffnungstagen pro Woche über den Tisch des Hofladens der Familie Mack. Viele Kunden sind, laut Aussage der Inhaber, sehr von der Qualität des frischen Fleisches ab Hof überzeugt und zu Stammkunden geworden. „Dafür entwickeln wir Produkte, für die das ganze Tier verwendet werden kann, und nicht nur die feinen Teile der Brust.“, erläutert Carmen Mack. Sie hält den Direktkontakt zu den Kunden für sehr wichtig, zum Beispiel auch über regelmäßige Hoffeste. Menschen, die sonst nichts mit der Landwirtschaft zu tun haben, können dann sehen und erfragen: ‚Wann ist es Bio? Was heißt das genau? Wie sieht die Tierhaltung aus?‘ Sie können etwas Konkretes mitnehmen vom ‚Sternhof‘ und sagen anderen vielleicht: ‚Glaub mir, ich habe es selber gesehen‘. Diese Art von Werbung und Information ist, in den Augen der Landwirte Mack, die beste und effektivste Werbung für sie. Noch mehr Gelegenheit für eine gute ‚Hoftransparenz‘ bietet der neu ausgebaute Heuboden des ‚Sternhofes‘. Veranstaltungen mit bis zu 60 Personen können hier in einem ehemaligen Holzstock, direkt im Dachspitz über dem früheren Kuhstall, stattfinden. Von der Terrasse haben die Gäste einen tollen Blick über den Genießer-Landstrich Hohenlohe.    

 

   

 

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