Wir suchen den Dialog – Bison, Rind und Wildfleisch aus Hohenlohe



„Wir suchten etwas, womit wir zukünftig Geld verdienen und unseren Kindern eine Zukunft geben können“, sagen die Inhaber des gleichnamigen Hofes Katrin und Joachim Humpfer. Damit das ganze Geschäftsmodell der ‚Humpfer Ranch’ in Schrozberg-Standorf zu umschreiben, würde ihr nicht gerecht. Eine Biogasanlage ernährt den Hof zuverlässig, denn die große Idee von den Bisons und den Angus Rindern braucht Kraft und Zeit. Etwas Milchvieh und Pferde als Hobby und eine Direktvermarktung runden den landwirtschaftlichen Betrieb ab, auf dem gerade weitere neue Ideen für Freizeit, Bildung & Tourismus umgesetzt werden.

Der ehemals klassische Familienhof, auf dem neben den Hofeignern auch deren drei Kinder im Altern von drei bis neun Jahren und das Elternpaar Irmgard und Reinhold leben, wurde bereits 1735 erstmals urkundlich erwähnt. Joachim Humpfer hat ihn 2008 mit 100 Milchkühen übernommen. Für seine Ausbildung zum Technikermeister für Landbau, für das Studium zum Diplomagraringenieur und für den Wehrdienst war er schon eine Zeit lang unterwegs. Die Eltern lockten ihn schließlich zurück mit den Worten: „Jetzt kommst heim oder wir hören auf“. So wurde 2009 eine Biogasanlage gebaut, die schrittweise erweitert, heute über ein 12 Kilometer Nahwärmenetz als Gemeinschaftsprojekt ganz Standorf und Leuzendorf beheizt. Der Milchviehbestand wurde inzwischen auf 40 Tiere abgebaut, weil die Humpfer`s auf der Suche nach einer Alternative in die Bisonhaltung eingestiegen sind. „Die Bisonhaltung soll den Milchviehbetrieb in Zukunft ablösen“, erklärt Landwirt Humpfer.        

 

 

 

Das Bison war als Vorfahre vom Hausrind vom Aussterben bedroht. Seit 2016 leben nun 50 Bisons auf der Ranch in Hohenlohe. Ihr Fleisch ist kurzfaserig, qualitativ hochwertig und sehr gefragt. „Die Nachfrage ist gigantisch“, sagt Katrin Humpfer. Doch ‚zurück auf Start: Wie kam es dazu? 2015 hielten die beiden passionierten Jäger einen Flyer in der Hand, in dem mit ‚Bisonfleisch aus Amerika‘ geworben wurde. Daraufhin flog die ganze Familie kurzentschlossen nach Kanada und besuchte verschiedene Betriebe und Schlachthöfe, denn bereits 2002 war Joachim Humpfer von dort mit der Idee nach Hause gekommen, Bisons zu halten. Der zweite Besuch dort hat ihn bestärkt, dass es eine Nachfrage gibt und diesmal hat er sie nicht wieder verworfen. Eine Zulassung dafür zu bekommen ist nicht leicht und so hat der Deutsche Bisonzuchtverband auch nur 30 Mitglieder in ganz Deutschland. „Viele machen es hobbymäßig und drei bis vier Züchter versuchen aktuell, damit Geld zu verdienen“, weiß Landwirt Humpfer. „In Bad Mergentheim gibt es einen Züchter, mit dem wir kooperieren. Man braucht eben das ‚Rodeo-Gen“, erklärt er weiter. Was heißt das genau? Ein Bisonbulle wiegt schon mal 1,2 Tonnen. Generell entwickeln Bisons viel Adrenalin und haben keine Angst, da sie jahrhundertelang keine natürlichen Feinde hatten. Bis der Mensch mit seinen Schusswaffen kam und sie – da sie keine Angst kennen - fast ausgerottet hat. Ein Bisonrind ist total neugierig, aber wenn man es in eine bestimmte Richtung drängen will, geht das nicht gut aus. Diese ursprünglichen Tiere der Prärie können über zwei Stunden lang und 60 Kilometer schnell laufen, dafür ist ihre Lunge dreimal und ihr Herz zweimal so groß wie das eines Rindes. „Hitze und Kälte machen ihnen gar nichts aus, aber Regen kennen und mögen sie nicht. Sie sind Wildtiere, die sich in der Regel selbst heilen und auch nicht behandelt werden. Klappt das nicht, werden sie erlöst“, erklärt Katrin Humpfer die robusten Rinder.

 

 

 

Ausbau der Zucht, Kreuzung mit Angus und stärkere Vermarktung. Aktuell kann man das frische Bisonfleisch der ‚Humpfer Ranch‘ vorrätig und auf Bestellung aus einem Automaten und einer Kühltruhe vor Ort in Schrozberg-Standorf kaufen. Schon jetzt gibt es Wurst und Produkte im Weckglas, die zusammen mit einem Profikoch kreiert wurden. Geplant sind ein eigenes Schlachthaus und ein Hofladen, um direkt vor Ort und ohne lange Transporte zu schlachten und zu verkaufen. „Nachhaltig und regional – so, wie vom Verbraucher gewünscht“, sagen die beiden jungen Unternehmer und Landwirte, die von der konventionellen Landwirtschaft überzeugt sind. Dieser Service soll auch regionalen Jägern, Landwirten und Schäfern angeboten werden. Weitere eigene Produkte, wie zum Beispiel das Fleisch von eingekreuzten Angus-Rindern, sind in Planung. Sie sehen es als Verpflichtung ihren Vor- und Nachfahren gegenüber an, ihr Land und ihren Betrieb zu pflegen und zu erhalten.

 

 

 

Das Hofkonzept abrunden, den Dialog suchen und authentisch bleiben. „Der neue, rund zwei Kilometer lange Lehrpfad ist ‚auf meinem Mist‘ gewachsen, auch, damit wir noch stärker mit den Leuten ins Gespräch kommen können“, erklärt die aus Heidenheim stammende Realschullehrerin Katrin Humpfer. „Wir haben damit –nach Gesprächen mit dem Landwirtschaftsamt auf einer Veranstaltung des Maschinenrings - ein gefördertes ‚Leaderprojekt‘ als Rundwanderweg umgesetzt“, so die agile Lehrerin, Landwirtin und Jägerin weiter. Ihr ist es wichtig, dass nicht nur ihre Kinder ganz viel vom Hofleben mitbekommen. Viele Spaziergänger, die Teilnehmer von wöchentlich zwei bis drei Führungen eines regionalen Reiseservice und von Team-Building-Aktionen der Landjugend, können sich an zehn gerade entstehenden Lehrpfad-Stationen über die Themen der Landwirtschaft informieren. Eine Hütte, ein Spiel- und ein Grillplatz ergänzen das ‚Landvergnügen‘, welches auch Platz für drei Camper Mobile bietet. Neu ist die Möglichkeit zum Imbiss über dem Holzfeuer und geplant ist ein Skywalk als Möglichkeit, von oben auf das Gelände – zum Beispiel der Bisons - zu schauen. Ein echter Hohenloher Prärie-Trail entsteht. Katrin Humpfer ist es wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche die Freiheit haben, sich auf ihrer Ranch vielfältig ausprobieren und ausleben können. Dahinter steht das ganze Team des Hofes, zu denen zwei Landwirte, ein Metzger, ein Rentner, Freunde und Nachbarn gehören. Man hilft sich gegenseitig, auch am Wochenende und auch mit guten Ideen. Joachim und Katrin Humpfer wissen: „Das mit den Bisons wird nie eine Massenware werden. Aber wenn ein gutes Produkt und eine authentische Willkommenskultur zusammenkommen, finden sich immer Leute, die das zu schätzen wissen und die noch mehr wissen wollen.“ Darauf bauen sie auf.

 

Zurück