Kulturlandschaft erhalten und mit der Natur arbeiten, nicht gegen sie.



Die Familie von Johannes Graf Zeppelin lebt seit rund 200 Jahren in Hohenlohe auf dem klösterlichen Schloss im Schöntaler Teilort Aschhausen. Sie bewirtschaften Ackerland und Wald in direkter Umgebung, haben einen großen Veranstaltungssaal zur Vermietung und sind Mitglied im Bauernverband. Die heimische Kulturlandschaft zu erhalten, ist ihnen wichtig.           

„Auch früher gab der Boden nicht unendlich viel her. Die Kelten, zum Beispiel, sind dann einfach weitergezogen“, erklärt Landwirt und Waldbauer Johannes Graf Zeppelin aus Aschhausen seine Haltung. Er ergänzt, dass jeder normal denkende Landwirt nachhaltig wirtschaften wird, wenn er sein Land erhalten und eben nicht weiterziehen will. Er wünscht sich, dass sich die landwirtschaftlichen Betriebe für die Verbraucher und einen Dialog noch mehr öffnen. Für ihn ist es von Bedeutung, stärker aufzuklären, warum Landwirte und Landwirtinnen etwas tun. Das das funktioniert, zeigen ihm Besuche von und bei Lehrern oder Schulen, die dann schon mal feststellen: „So hat es uns noch keiner erklärt!“ Ihm ist wichtig, dass dieses Bild an Kinder und Jugendliche durch Lehrkräfte richtig weitergegeben wird.

 

 

 

An einem Strang ziehen für die Nachhaltigkeit. Weiter wichtig ist Johannes Graf Zeppelin, dass die oft polarisierende Meinung der Öffentlichkeit, ‚guter Landwirt – schlechter Landwirt‘, nicht weiter bedient wird. „Es sollte von allen Seiten an einem Strang gezogen werden. Wir Landwirte wären ja dumm, wenn wir die Böden nicht nachhaltig bewirtschaften. Warum sollten wir mehr Dünger – ob biologisch oder chemisch – auf unsere Böden bringen, als nötig? Das schadet auch unserem Geldbeutel“, erklärt er. Er ist seit 2014 Mitgesellschafter der BG Neuhof. Hier arbeiten Landwirte eng zusammen, die Betriebsabläufe werden von den Geschäftsführern koordiniert. Graf Zeppelin hat seine 145 Hektar Ackerland in und um Aschhausen eingebracht und fühlt sich als Landwirt, auch wenn er nicht mehr in die täglichen landwirtschaftlichen Arbeiten involviert ist. Seine Aufgaben sind die Verwaltung und die Vermietung von Flächen und Gebäuden, zum Beispiel auf dem Schlossgelände. Ein großer historischer Veranstaltungsraum, ideal für Hochzeiten und normalerweise ganzjährig gut gebucht, beschäftigt hauptsächlich seine Frau im Eventmanagement. „Einer von uns ist immer vor Ort, es ist alles da für 150 Personen“, sagt J.v.Zeppelin mit Blick auf den Wehrturm und den romantischen Außenbereich. „Was die Veranstaltungen angeht, stehen wir wie viele an der gleichen Stelle wie letztes Jahr: Bei null“, erklärt er die Situation, da Veranstaltungen aktuell nicht durchführbar sind - trotz bestehender Buchungen.      

 

 

 

 

Der Wald spielt neben den Veranstaltungen eine große Rolle. Gut, dass es den Waldfriedhof Schöntal auf dem Grundbesitz der Familie gibt. Hier kann man sehen, was Landschaftspflege heißt. Der Plan von 1938, hier die Autobahn A 81 entlangzuführen, kam zum Glück nicht mehr zur Realisierung. Gleichwohl: Der ursprüngliche Wald war zu der Zeit schon gerodet. Nach 1948 wurde er mit Laubbäumen aufgeforstet. Zu sehen sind heute heimische Eichen, aber auch Amerikanische Roteichen, Buchen, Elsbeeren und Kirschen. Insgesamt sind vom Schloss aus 140 Hektar Wald zu bewirtschaften. „Am meisten Freude macht es mir, wenn ich rausgehe und sehe wie alles wächst, wie die Natur erwacht“, erklärt der Wald- und Landwirt. Und weiter: „Die Kühle des Frühjahrs tut dem Wald gut. Es bremst den Borkenkäfer etwas aus.“ Das naturbelassende und doch gepflegte Waldstück ist gut geeignet als letzte Ruhestätte für die, die hier bestattet werden möchten. Zu Lebzeiten schon kann man sich den Baum und damit den Platz aussuchen und reservieren, wo man – entweder allein oder zusammen mit anderen - begraben werden möchte. Für immer mehr Menschen ist das attraktiv, denn die ‚Grabpflege‘ übernimmt die Natur, wie der Besitzer des Bodens erklärt. Die versenkten Urnen können 60, statt wie sonst üblich 20, Jahre in der Erde bleiben. Ein kleines Schild am Baum zeigt, wer dort seine letzte, wirkliche Ruhe gefunden hat. Es ist ein fast magischer Ort.     

 

 

 

Eine Familie mit Tradition und Verwurzelung in Hohenlohe. Die Vorfahren des jetzigen Grafen Zeppelin kommen aus dem Norden Deutschlands, aus Mecklenburg. Der damalige Herzog und spätere König Friedrich I. holte im 18 Jahrhundert zwei Brüder des sehr alten Adelsgeschlechtes erfolgreich hierher. Er stellte sie in seine Dienste, den einen in Friedrichshafen zur späteren Erfindung des gleichnamigen Zeppelins, den anderen nach Aschhausen zur Bewirtschaftung des Schlosses. Die heutige Familie von Zeppelin steht mit drei Kindern im Teenageralter im Hier und Jetzt. Johannes Graf Zeppelin begleitet viele Ehrenämter: Vom Gemeinderat, über den Kreistag bis zum Ortschaftsrat. Mit seinem landwirtschaftlichen Betrieb ist er Mitglied im Bauernverband und politisch aktiv. Seine heimische Kulturlandschaft zu erhalten, ist ihm sehr wichtig. Ganz in dem Sinne, dass Kulturlandschaften vom Menschen gestaltete Landschaften darstellen, die langfristig geeignet sind, den Menschen als Heimat zu dienen.

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